Die Pflanzsaison ist eröffnet - Kletterfix ist startklar

Das Fassadenbegrünungsprojekt „Kletterfix - Grüne Wände für Leipzig“ geht in die vierte Runde. Auch in diesem Jahr können sich Leipzigerinnen und Leipziger zu ihrem Begrünungsvorhaben von uns beraten lassen. Ob große Giebelwand, Pergola, Fahrradabstellanlagen, straßenseitige Hausfassade – viele Objekte lassen sich mit Kletterpflanzen in grüne Ökosysteme verwandeln. Mit Kletterfix erhalten die Teilnehmenden bis zu fünf - für ihren Standort geeignete - Pflanzen kostenfrei. Gemeinsam machen wir Leipzig grün!

Kletterfix macht´s vor: Giebelwandbegrünung in der Südvorstadt

Zum Abschluss der diesjährigen Kletterfix-Saison haben Ökolöwe und die Wohnungsgenossenschaft Böhlen die Giebelwand der Schenkendorfstraße 48 begrünt. Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal und Ökolöwen-Geschäftsführer Nico Singer haben die Fassadenbegrünung am 9. November eingeweiht. Zwölf Kletterpflanzen finden nun an der Fassade des Wohnblocks optimale Voraussetzungen, um die graue Wand in ein grünes Ökosystem zu verwandeln. An der vielbefahrenen Arthur-Hoffmann-Straße leisten die Gerüstklimmer künftig einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität. Auch optisch wertet die Pflanzenvielfalt aus Clematis, Pfeifenwinde und Jungfernrebe die Fassade auf. Gerade Giebelwände eignen sich für vertikales Grün, da dort große Flächen entstehen können.

Die öffentliche Begrünung wurde zusammen mit der Eigentümerin des Objektes, der WG Böhlen umgesetzt. Gemeinsam haben Ökolöwe und Wohnungsgenossenschaft ein Konzept für ein wandfüllendes und pflegeleichtes Begrünungskonzept entwickelt. Die Pflanzen werden zum Teil bis in 15 Meter Höhe an Rankhilfen aus Edelstahl nach oben wachsen. Im Gespräch legt Jörg Becker, Vorstand der WG Böhlen, die Beweggründe für das Engagment dar.

Was hat Sie als Wohnungsgenossenschaft motiviert die Fassadenbegrünung an diesem Standort durchzuführen? 

Wir hatten vor ca. zwei Jahren bereits einmal am Projekt „Kletterfix“ teilgenommen. Damals, an der verkehrsbelasteten Wolfgang-Heinze-Straße in Connewitz, wurde eine prägnante und stark graffiti-verunzierte Giebelwand mit Ranksystemen ausgestattet. Die Pflanzen sind mittlerweile gut angewachsen, überdecken bereits größere Teile der Graffiti und verbessern das Erscheinungsbild unseres Gebäudes. Diese positiven Erfahrungen hoffen wir, am Standort Schenkendorfstraße zu wiederholen. Hier sind die örtlichen Gegebenheiten ähnlich: Mit der Arthur-Hoffmann-Straße befindet sich eine stark befahrene Straße in unmittelbarer Nähe, dazu gibt es regelmäßige Schmierereien, die für viel Geld entfernt werden müssen. Neben dem Effekt für die Umwelt erhoffen wir uns folglich auch einen für unsere Genossenschaft.

Was galt es bei der Bepflanzung zu berücksichtigen? Was gab es speziell an diesem Standort zu beachten?

Da die Fassade wärmegedämmt ist und vor nicht allzu langer Zeit renoviert wurde, war uns wichtig, dass keine Selbstklimmer gepflanzt werden, sondern die Pflanzen ausschließlich die Rankhilfen zum Hochkommen nutzen. In Abstimmung mit dem Ökolöwen und dem Lieferanten der Rankhilfen haben wir uns dann für einen breiten Mix an unterschiedlichen Pflanzen entschieden. An Stellen, an denen die Rankhilfen 15 Meter hoch reichen, wurden u.a. Pfeifenwinden gepflanzt. Diese können solche Höhen erreichen. An anderen Stellen wurden niedriger wachsende Pflanzen wie diverse Clematisarten oder Jungfernreben gepflanzt. Da jede Pflanze anders blüht und wächst sind wir sehr gespannt, was herauskommt. Der Standort ist zwar von umliegenden Gebäuden und auch Bäumen umsäumt, durch die Westseite schätzen wir aber, dass genügend Licht und Regen die Pflanzen erreichen werden. Dadurch konnten wir auch sonnenliebende Pflanzen verwenden.

Was ist die Besonderheit an einer Begrünung mit Ranksystemen? Wer führt die künftig die Pflegearbeiten durch?

Der planerische und kostenmäßige Aufwand ist natürlich etwas höher als einfach einen Busch oder einen Baum in die Erde zu setzen. Dazu dauert es seine Zeit, bis die Pflanzen hochgewachsen sind und der volle Effekt zur Geltung kommt. Dafür ist es auch etwas Besonderes und wir heben uns von der Umgebungsbebauung und –begrünung deutlich ab. Wir wollen an diesem Standort auch noch einen kleinen Zaun setzen um zu verhindern, dass bewusst oder unbewusst die sensiblen bodennahen Pflanzenteile beschädigt werden. Wir haben zum Glück langjährige Mieter vor Ort, die sich um die Bewässerung vor allem in der Anfangsphase kümmern werden. Der Ökolöwe wird eine Einweisung vornehmen. Unsere Grünanlagen werden ansonsten von einer professionellen Firma gepflegt, welche auch für die Fassadenbegrünung mit zuständig sein wird. Wir rechnen aber in den nächsten Jahren mit wenig Pflegeaufwand.

Kletterpflanzen als Snackbar

Viele Kletterpflanzen sind mit ihren Blüten und Fruchtständen wahre Bienen- und Vogelweiden. Bestes Beispiel ist der Wilde Wein: rund 20 einheimische Vogelarten, darunter Kleiber und Hausrotschwänzchen, laben sich an den Beeren. Gerade im Herbst und Winter, wenn anderen Pflanzen keine Früchte mehr tragen, sind die Beeren eine wichtige Futterquelle.

Übrigens: Grüne Wände sind nicht nur als Futterquelle attraktiv für die gefiederten Stadtbewohner. Das dichte Blattwerk bietet optimale Bedingungen für Nistplätze und Rückzugsmöglichkeiten. Auf engstem Raum ist das vertikale Grün ein Habitat für Amseln, Schwanzmeisen, Spatzen und Co.

Kletterpflanzen als natürliche Klimaanlage

Das Grün der Kletterpflanzen verbessert die Energiebilanz eines Gebäudes spürbar. Dank Fassadenbegrünung ist die Hauswand bis zu 30 Grad Celsius kühler. Ein Effekt, der an heißen Sommertagen nicht zu unterschätzen ist.  Wo für Bäume kein Platz ist, können Kletterpflanzen erfolgreich als natürliche Schattenspender aushelfen. Übrigens: Mithilfe von Rankhilfen können die Pflanzen auch Glasfassaden wirkungsvoll vor Sonneneinstrahlung schützen.

Kletterpflanzen sind Feinstaubmagnete

Unglaublich, aber wahr. Die platzsparenden Kletterpflanzen arbeiten unter Hochdruck daran, unsere Luft zu säubern. In Zahlen ausgedrückt: die Feinstaubbelastung kann in begrünten Straßen bis zu 70 Prozent reduziert werden. Gerade in Straßenzügen, die eine Begrünung mit Bäumen nur unter großem Aufwand ermöglichen, ist die vertikale Begrünung von Fassaden eine attraktive Alternative zur Verbesserung der Luftqualität. Übrigens: der bekannte Efeu (Hedera helix) ist mit seinem immergrünen Blätterkleid und seiner hohen Blattdichte ein besonders effektiver Feinstaubfilter.